Unvollständige Mischung

Beim koreanischen Bibimbap verrührt man mit dem Löffel die auf dem Reis angerichteten Zutaten. Der Schlüssel zum Genuss liegt in der unvollständigen Mischung. Am besten, in den verschiedenen Bereichen der Schale sind jeweils mehrere Zutaten in abweichendem Verhältnis vermengt, so dass es überall etwas anders schmeckt.

Die unvollständige Mischung, die ich mit geübt nachlässigem Durcheinanderbringen erreiche, erspart mir die Selbstdisziplin der sorgsam beachteten Reihenfolge bei separat servierten Gerichten: immer abwechselnd eins nach dem anderen essen und so vorausschauend proportioniert, dass am Ende von jedem Element noch ein Rest für die letzte Runde verbleibt (mühsam den Kindern beizubringen, die das, was ihnen am besten schmeckt, zuerst aufessen und das Unattraktive nachlassen).

Und es wird auch nicht von der Leistung meines Differenzierungsvermögens abhängen, aus einer homogenen Substanz die Aromen, die in ihr verbunden wurden, so herauszuschmecken, dass zwanzig Löffel vom Selben nie langweilig werden.

Ich esse Bibimbap sowieso gern, aber es erscheint mir zudem wie ein Modell guter Organisation: Geringer Aufwand (ich muss nur lernen, tief genug und dabei nicht zu viel zu rühren) ergibt eine Situation, die es leicht macht, mit Vielheit zurechtzukommen. Verteilung statt Komposition.

Zu dieser Kunst der Verteilung gehört auch, dass man kleine Unregelmäßigkeiten in der Zubereitung schätzt – etwa die Stellen, wo der Reis ein wenig angebrannt ist, das Weiche ein Stück Kruste ausgebildet hat (im Japanischen mit einem honorischen Präfix versehen o-koge genannt).

Die unvollständige Mischung spielt mit der Entropie. Solche Spiele gibt es viel zu selten. Nach wie vor stehen die meisten organisatorischen Akte im Bann einer Vorstellung der Herstellung von Ordnung. So wird viel gekocht und angerichtet, während Techniken des Essens höchstens insoweit in Betracht kommen, als sie dem Angerichteten gebührend Respekt zollen, die Errungenschaften der Küche nicht mutwillig oder fahrlässig zerstören, ehe sie zur intendierten Wirkung kommen konnten, und das, was auch der beste Koch nicht zart und grätenfrei kriegt, kompetent zerlegen. Zivile Selbstorganisation könnte dagegen vom Bibimbapessen erfahren, wie Zusammenleben das administrativ Sortierte auf gute Weise verrührt.

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Ways of Disagreeing: „Collectivity“

This is a video recording of a panel discussion I chaired at Roter Salon, Volksbühne Berlin, in December 2021. It was organized by Texte zur Kunst.

The guests were:

Sofia Bempeza

Marlene Engel

Omsk Social Club

More information on the event can be found at the TzK website

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Geschützt: „Sie…KÜNSTLER!“ Macht und Ohnmacht des Sprechens in den Live Arts (6. Sitzung)

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Geschützt: „Sie…KÜNSTLER!“ Macht und Ohnmacht des Sprechens in den Live Arts (5. Sitzung)

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Geschützt: „Sie…KÜNSTLER!“ Macht und Ohnmacht des Sprechens in den Live Arts (4. Sitzung)

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Geschützt: „Sie…KÜNSTLER!“ Macht und Ohnmacht des Sprechens in den Live Arts (3. Sitzung)

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Geschützt: „Sie…KÜNSTLER!“ Macht und Ohnmacht des Sprechens in den Live Arts (2. Sitzung)

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Geschützt: „Sie…KÜNSTLER!“ Macht und Ohnmacht des Sprechens in den Live Arts (Seminar – Einführung)

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Queer kawaii

1. Der appeal der cuteness löst sowohl care affects als auch play affects aus.

2. Debatten zur Erörterung der Grenze zwischen Mensch und Tier sind fixiert auf Intelligenz. Die verschiedenen Ausprägungen von Harmlosigkeit könnten aber einen ebenso folgenreichen Evolutionsfaktor darstellen.

3. Das Niedliche unterhält eine Beziehung zum Runden, die wie masselos bleibt. Dicke können niedlich wirken, aber Niedlichkeit weiß nichts vom Dicken. Niedlichkeit zieht alles ins Zweidimensionale und schickt es von dorther in die jeweilige Ausdehnung zurück.

4. Geschlecht gewinnt durch cuteness an Gelenkigkeit, stützt sich weniger an seinen Merkmalen ab.

5. Cuteness setzt das affektive Vorurteil an einem Ort ohne klare Koordinaten ab. Vehement im Bewerten begriffen, kommt das Subjekt dennoch nicht umhin, ‚Wo bin ich hier?‘ zu fragen.

6. Niedlich ist weniger als weiblich. Niedlich übersteigt und übersteigert Weiblichkeit. Niedlich ist weniger als männlich. Niedlich ist hyper-männlich.

7. In Manga ist Niedlichkeit seit langem einer Zärtlichkeit assoziiert, die Körper androgynisiert, das Maskuline gleichsam einschmilzt und den emotionalen Inkontinenzen der Figuren nur mehr mikrodosiert zur Legierung beigibt, um sie elastisch genug für ein paar klassische Abenteuer-Dramaturgien zu halten.

8. Man sollte die Einlassung mit kawaii-Erotik als eine zweite Aufklärung betreiben: Noch einmal ein Doktorspiel mit der Realität, um den Ausgang aus der selbstverschuldeten Unsensibilität zu befördern!

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Ein Gespräch über „Synchronisieren“

Eine Korrespondenz mit Christoph Bannat auf dem Textem-Blog zu meinem neuen Buch „Synchronisieren“ – darüber, was passiert, wenn man die vielen Menschen nicht mehr zur Masse zusammenfassen kann, wenn die Liebe zu anarchischen Kollektiven nicht unbedingt erwidert wird und wenn Corona lebenswichtige Synchronisierungen unterbindet:

Link zum Blog

 

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