On making democratic decisions (less theater, more contemporary dance)

We keep on entertaining the idea that arguing opinions and making decisions go hand in hand. Combining the two – conventional wisdom holds – will make for a democratic process. But I suspect that they may be two very different things, hardly compatible with one another, and that the effort to make them compatible, even though they are not, consumes a lot of our time and energy when it comes to making decisions.

An opinion is a non-practical judgment. I have an opinion insofar as I am not acting. Even if I am involved in the process, in order to have an opinion I must detach myself from its practical entanglements and pretend that I can take a step outside. Citizens are usually not involved. Citizens have strong opinions, because they get to decide next to nothing.

Decision-making needs forms of communicating that take the emphasis away from opinions and put it on practical preferences: From here on (from the point of view of practice, the process is always already under way and a decision concerns its continuation), do I prefer to go in this direction or in this direction, or in this direction…? We ought to devise formats that translate the theater of debate with its clash of opinions into a performance that is navigated by various preferences. Less theater, more contemporary dance.

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Der Pop-Song und die Kunstverbesserung

Der Popsong, der mein Begehren auf eine intensive Weise fesselt durch eine Nähe von Begeisterung und Ekel: Es gibt immer etwas, das stört. Etwas, das das, was ich subjektiv gerade perfekt fände (gerade jetzt so – das kann von Moment zu Moment, Stimmung zu Stimmung, Kontext zu Kontext variieren), ruiniert. Das Leben mit dem Song besteht aus einer Serie des Sichversprechens und Ruiniertwerdens eines perfekten Erlebnisses, und dieses Unliebsame, das jedes Lied trotz allem als Produkt von anderen markiert, zeichnet Pop ebenso aus wie das Einschmiegen in Subjektivität. (Steht, glaube ich, auch irgendwo so ähnlich in Diederichsens Über Pop-Musik.)

Was ich aber zu keiner Zeit erfahre, ist jene von Adorno beschworene Objektivität des Werkes, die sich dem subjektiven Gefallen entgegenstellt und die eine Perspektive der Versöhnung eröffnet, weil sie dem Künstler mit ebensolcher Härte zugesetzt hat wie mir, dem Rezipierenden. Der Komponist musste Dissonanzen setzen, weil die Welt des 20. Jahrhunderts die Harmonien der vergangenen Jahrhunderte nicht mehr duldet. Das Material, die Umstände verlangten es. Deshalb bringt es uns allesamt auf die Straße der Menschheit, wenn auch ich mich diesem Müssen beuge, die Dissonanzen aushalte und in der Reflexion meines Aushaltens die Gründe des Widerstrebens, die Gründe für den notwendigen Widerstand gegen das Widerstreben, die politische und existenzielle Wahrheit der harten Fügung erkenne.

Für die Musik, die Adornos Ästhetik entsprach, war es wahrscheinlich immer schon problematisch, wenn jemand die schrägen Klänge gar nicht erlitt und das Leiden erst kraft intellektueller Anstrengung mit einem Genießen vermittelte, sondern sie rundheraus genoss. So wie ich als Jugendlicher: Ich bin während meiner Teenagerjahre oft in Konzerte mit sog. Neuer Musik gegangen, weil ich die Sounds irgendwie mochte. So wie das wohlbehütete, im idyllischen Lübeck aufwachsende Einzelkind seine Melancholie zelebrierte und sich mit dem Sperrigen und Verqueren, Hässlichen, Dreckigen und Perversen sehr wohl fühlte, brauchte auch diese Musik keine Vermittlung, kein schwieriges Verhandeln zwischen Welt und mir, um lustvoll gehört zu werden (den Begriff „Weltmusik“ fand ich ganz unabhängig von dem, was er bezeichnete, schon als Wort doof). Entsprechend schnitt mein Genießen sie von ihren teilweise explizit kritischen Autorenbestimmungen ab. Pendereckis Threnos, das er den Opfern von Hiroshima widmete, war z.B. einfach geiler Sound unter anderen. Ich hörte durchaus banausisch, aber nicht banausisch-ablehnend, sondern banausisch-affirmativ.

Im Pop dagegen fand ich Spannung zwischen dem, was mich ergriff, und dem, was mich abstieß. Unter der Musik, die ich als Jugendlicher gehört habe, ist eine Menge cooles, nach den Prinzipien damaliger wie heutiger Coolness makelloses Zeug, aber meine Lieblingssongs waren solche, in denen ein falsches Detail etwas Großartiges ruinierte. Sie zu hören setzte bei jedem Durchgang eine nahezu panische Aktivität der Verbesserung in meinem ‚Kopf‘ (Körper) in Gang: Ich radierte Streicher weg, die im letzten Teil des Songs unter den kreischenden Gitarren auftauchten und widerwärtig durchschaubar darauf abzielten, die emotionale Dringlichkeit noch einmal zu steigern. Ich entfernte eine Wiederholung der Anfangssequenz am Schluss, die eine wunderbar verrutschte, synkopierte Struktur in etwas Stocksymmetrisches verwandelte. Ich formulierte Textzeilen um, die zu banal waren oder eine Chance auf Subtilität ungenutzt ließen, oder bestand auf dem zuerst falsch Gehörten.

Was tun mit dieser Lust an der Verbesserung? Müsste man nicht viel mehr damit tun?

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Unvollständige Mischung

Beim koreanischen Bibimbap verrührt man mit dem Löffel die auf dem Reis angerichteten Zutaten. Der Schlüssel zum Genuss liegt in der unvollständigen Mischung. Am besten, in den verschiedenen Bereichen der Schale sind jeweils mehrere Zutaten in abweichendem Verhältnis vermengt, so dass es überall etwas anders schmeckt.

Die unvollständige Mischung, die ich mit geübt nachlässigem Durcheinanderbringen erreiche, erspart mir die Selbstdisziplin der sorgsam beachteten Reihenfolge bei separat servierten Gerichten: immer abwechselnd eins nach dem anderen essen und so vorausschauend proportioniert, dass am Ende von jedem Element noch ein Rest für die letzte Runde verbleibt (mühsam den Kindern beizubringen, die das, was ihnen am besten schmeckt, zuerst aufessen und das Unattraktive nachlassen).

Und es wird auch nicht von der Leistung meines Differenzierungsvermögens abhängen, aus einer homogenen Substanz die Aromen, die in ihr verbunden wurden, so herauszuschmecken, dass zwanzig Löffel vom Selben nie langweilig werden.

Ich esse Bibimbap sowieso gern, aber es erscheint mir zudem wie ein Modell guter Organisation: Geringer Aufwand (ich muss nur lernen, tief genug und dabei nicht zu viel zu rühren) ergibt eine Situation, die es leicht macht, mit Vielheit zurechtzukommen. Verteilung statt Komposition.

Zu dieser Kunst der Verteilung gehört auch, dass man kleine Unregelmäßigkeiten in der Zubereitung schätzt – etwa die Stellen, wo der Reis ein wenig angebrannt ist, das Weiche ein Stück Kruste ausgebildet hat (im Japanischen mit einem honorischen Präfix versehen o-koge genannt).

Die unvollständige Mischung spielt mit der Entropie. Solche Spiele gibt es viel zu selten. Nach wie vor stehen die meisten organisatorischen Akte im Bann einer Vorstellung der Herstellung von Ordnung. So wird viel gekocht und angerichtet, während Techniken des Essens höchstens insoweit in Betracht kommen, als sie dem Angerichteten gebührend Respekt zollen, die Errungenschaften der Küche nicht mutwillig oder fahrlässig zerstören, ehe sie zur intendierten Wirkung kommen konnten, und das, was auch der beste Koch nicht zart und grätenfrei kriegt, kompetent zerlegen. Zivile Selbstorganisation könnte dagegen vom Bibimbapessen erfahren, wie Zusammenleben das administrativ Sortierte auf gute Weise verrührt.

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Ways of Disagreeing: „Collectivity“

This is a video recording of a panel discussion I chaired at Roter Salon, Volksbühne Berlin, in December 2021. It was organized by Texte zur Kunst.

The guests were:

Sofia Bempeza

Marlene Engel

Omsk Social Club

More information on the event can be found at the TzK website

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Geschützt: „Sie…KÜNSTLER!“ Macht und Ohnmacht des Sprechens in den Live Arts (6. Sitzung)

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Geschützt: „Sie…KÜNSTLER!“ Macht und Ohnmacht des Sprechens in den Live Arts (5. Sitzung)

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Geschützt: „Sie…KÜNSTLER!“ Macht und Ohnmacht des Sprechens in den Live Arts (3. Sitzung)

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Geschützt: „Sie…KÜNSTLER!“ Macht und Ohnmacht des Sprechens in den Live Arts (2. Sitzung)

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Geschützt: „Sie…KÜNSTLER!“ Macht und Ohnmacht des Sprechens in den Live Arts (Seminar – Einführung)

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