Zusammen leben im Rausch

„Die ungute Gleichzeitigkeit des Bedürfnisses allein zu sein und dessen mit andern zusammenbleiben zu wollen – ein Gefühl, das in der tieferen Müdigkeit zum Vorschein kommt und dem man nachzugehen hätte – steigert sich.“

Das notiert Walter Benjamin am Nachmittag des 28. Januar 1928 im Anschluss an einen Haschisch-Rausch. Benjamin hat mehrfach mit Cannabis und Meskalin experimentiert und seine Erfahrungen in unterschiedlichen Textformen dokumentiert. Anders als die Lebensphilosophie, die den Rausch feiert, bleibt Benjamin äußerst aufmerksam für die heiklen und komplexen Verhandlungen von Individualität und Kollektivität, die sich an der Position des Berauschten abspielen. „Ekstasis ist ursprünglich immer vollkommene Einsamkeit“, schreibt Ludwig Klages in Vom kosmogenischen Eros und behauptet, dass diese Einsamkeit „den ergänzenden Pol in sich selber trägt“. Benjamins Nachdenken über den Rausch setzt hingegen gerade in dem Moment ein, da die Lockerung der Selbstkontrolle, wie die Droge sie bewirkt, das Individuum dazu nötigt, sein Verhältnis zu den anderen neu zu organisieren.

–> Download PDF

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter demokratien, diesseitsdesästhetischen, Mehr, Partizipation, praxis_poiesis, Zeit? abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s