Zum Freund verschoben: geliebt

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Ich kenne (woher? aus der narrativen Verwaltung der Fiktionen? aus dem Leben, sofern es diesen Fiktionen entspricht bzw. sich nach denselben Prinzipien verwalten lässt?) zwei Verschiebungen zwischen Freundschaft und Liebe:

1) Die verzweifelte Diplomatie: Nachdem der Liebende sich mit seinem Geständnis ein für alle Mal aus der intimen Distanz der Freundschaft in unwiderrufliche Nähe vorgewagt hat, weicht der andere zurück. Er sagt: „Lass uns weiterhin Freunde sein.“ Die Freundschaft ist zu einem defizienten Modus dessen geworden, was das Geständnis bereits halb, aber in dieser Halbheit rückhaltlos herbeigeführt hat. Von nun an (noch, wieder, erneut) Freunde sein hieße, im Namen der Freundschaft eine verhinderte Liebe leben. Je unattraktiver das erscheint, desto stärker wird die wahre Freundschaft für beide zum paradiesischen Ursprung eines Missverständnisses, zur zerstörten Gewissheit einer Zeit vor dem Geständnis.

2) Die Freundschaft als glückliche Erschöpfung der Liebe: Dabei hat das Glück die Gestalt einer zweiten Chance, die das Erreichen des absoluten Nullpunkts in der Liebesbeziehung eröffnet. Erfüllung und Nichterfüllung des Begehrens, Gabenfülle und Vergeblichkeit sind zu einem Ausgleich gekommen, nicht weil sich ihre Quantitäten ohne Rest verrechnen oder kraft einer neu anbrechenden Epoche plötzlich aufheben, sondern weil dieser Rest im Zuge einer beiderseitigen (wiewohl kaum symmetrischen) Anerkennung nichts anderes mehr ist als ein Zeichen dafür, dass man miteinander bis zum Ende gegangen ist. Der gemeinsame Rest bezeugt die Erschöpfung als gerechtes Ende der Liebe. Und die Freundschaft stellt sich folglich als eine Art von ‚Realismus‘ dar, als eine Rückkehr mit der Liebe in den Kreis der Übrigen, der Mehrzahl von anderen, wie wenige es auch seien.

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2 Antworten zu Zum Freund verschoben: geliebt

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