Exklusion/Inklusion

Innerhalb von Many-to-Many-Kommunikationsumgebungen verkehrt sich das Verhältnis von Inklusion und Exklusion gegenüber traditioneller Gruppendynamik: Eine Exklusion steht hier am Beginn, während die weitere Entwicklung eher durch Inklusivität bestimmt ist.

Clay Shirky untersucht in Here comes everybody das von Scott Heiferman gegründete Online-Sozialportal Meetup und stellt fest, dass die Gruppe „Stay at Home Moms“ wesentlich mehr Mitglieder zählte als die „Parents and Kids Playgroup“. Sie war, so seine Schlussfolgerung, gerade deshalb populärer, weil sie ihre Zielgruppe deutlich enger definierte – nicht Eltern allgemein, sondern Mütter, die zu Hause blieben und sich um die Kinder kümmerten, während ihre Männer arbeiteten. Und er kommentiert:

„Though it is hard to imagine a man with a child being turned away from the North Charlotte Stay at Home Moms Meetup, say, it’s also hard to imagine that a lot of dads showed up in the first place.“ (S. 202)

Das sozio-ökonomische Prinzip, das sich dahinter abzeichnet, lautet: Je eigentümlicher das Profil einer möglichen Gemeinschaft bestimmt ist, desto stärker die Motivation derjenigen, die sich damit identifizieren können, an den Aktivitäten dieser Gemeinschaft teilzunehmen, da offenbar die Erwartung steigt, ‚Gleichgesinnte‘ zu finden (also Menschen, mit denen man sich ‚gut versteht‘). Wohldosierte Exklusivität stellt in der Offenheit eines M2M-Universums einen Attraktionsfaktor dar, zu starke Inklusivität unter Umständen ein Problem. Das wirft eine Reihe von Fragen auf bezüglich der politischen Dimension dieser Art von Kollektivbildung.

Andererseits verlangt die Dynamik von M2M-Kommunikation keineswegs, dass die einmal definierten Grenzen zwischen Innen und Außen besonders aufmerksam beobachtet und überwacht werden. Selbst wenn der Anteil der Väter stark zunähme und der Name „Stay at Home Moms“ die Zusammensetzung der Gruppe nicht mehr korrekt wiedergäbe, könnte es den Mitgliedern der Gruppe Recht sein – und wäre es vermutlich auch. Die Frage von Ex- und Inklusion betrifft nicht in erster Linie (oder gar nicht) die Ebene des Repräsentativen, sondern die des Performativen: Die Exklusion, die der Gruppenname impliziert, zieht keine saubere Grenze der Zuständigkeit, und das soll sie auch nicht. Sie wirkt als Attraktor, und damit verantwortet sie eine lokale Wirklichkeit (die man mit Skepsis betrachten kann, da unter Umständen konservative Setzungen als Attraktionszentren sehr erfolgreich sind). Darüber hinaus besteht dann aber kein Bedarf an Ausschließungen, die approval policy kann rein inklusiv bleiben – es sei denn, eine Untergruppe von Vätern verlangt die Änderung des Gruppennamens, um der Logik der korrekten Repräsentation genüge zu tun, und provoziert so eine Debatte um die Gruppen-Identität…

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